Heute ist die zweite Rauhnacht. Wer sich noch einmal in das Thema Rauhnächte einlesen will, findet hier eine kurze Einführung und Beschreibung der Rauhnächte von mir.

Rauhnächte zählen wir immer von 0 Uhr Mitternacht bis 24Uhr in der nächsten Nacht. Heute also von Mitternacht am 25. Dezember bis Mitternacht am 26. Dezember. In den Rauhnächten soll alles still stehen – die Arbeit liegen gelassen und alle Räder angehalten werden – sie sind somit eine gute Gelegenheit für Innere Einkehr, Besinnung und Achtsamkeit. Beobachte, wie es Dir an den einzelnen Tagen geht, was Dich beschäftigt, was um Dich herum geschieht und wie Du auf Dein Umfeld reagierst.

Die zweite Rauhnacht dient der Stille und dem “Nach-Innen-Richten”. Im Grunde haben wir während allen zwölf Rauhnächten immer wieder die Gelegenheit, Ruhe zu suchen und den Blick nach Innen zu richten. Stille zu finden ist nicht immer einfach – insbesondere für uns Stadtmenschen. Selbst im Park ist ein entferntes Auto oder die U-Bahn zu hören. Wichtiger als die Äußere Stille ist aber sowieso die innere Ausrichtung, die Bereitschaft, in sich hineinzuhören und in die Stille hineinzuspüren.

Wem das schwer fällt, der kann die heutige Meditation zuhilfe nehmen.

Meditation zur zweiten Rauhnacht

Suche Dir einen ruhigen Platz in Deiner Wohnung, wenn Du die Möglichkeit hast, gehe hinaus in die Natur.

Schließ die Augen und komme mit den nächsten Atemzügen zur Ruhe. Spüre in Deinen Körper hinein. Entspanne Deine Stirn, Deine Backen, Dein gesamtes Gesicht, Deine Schultern und Deinen Nacken. Lass Deinen Atem tiefer werden.

Richte Deine Aufmerksamkeit dann auf die Geräusche in Deiner Umgebung. Was kannst Du wahrnehmen? Autos, die vorbeifahren, Vögel in den Bäumen, sonstige Geräusche? Lass die Klänge ganz einfach kommen, nimm sie wahr. Ganz gleich, ob sie angenehm oder unangenehm sind, lass die Geräusche durch Dein Bewusstsein wehen wie den Wind durch die Blätter in einem Baum.

Wende Dich dann den inneren “Geräuschen” zu. Welche Klänge und Geräusche nimmst du wahr? Kannst Du Dein Herz klopfen, Dein Blut rauschen hören? Hörst Du Deinen Atem durch die Nasenflügel ein und ausströmen? Gibt es Gedanken, die durch Deinen Geist wandern, Sorgen, Pläne, Ängste oder Hoffnungen, die hin und wieder auch einmal laut werden können? Nimm auch diese Geräusche ebenso gelassen wahr wie die Geräusche im Außen.

Hör noch einmal weiter in Dich hinein. Kannst Du die Stille hinter den Gedanken und Geräuschen in Deinem Körper wahrnehmen? Spürst Du die Stille?

Nach ein paar Atemzügen komm mit Deinem Bewusstsein wieder zurück zu Deinem Körper, Deiner Körperhaltung und dem Kontakt zu dem Boden, der Dich hält. Wenn Du soweit bist, öffne langsam die Augen.

Fragen zur heutigen Rauhnacht:

Fällt es mir leicht, Geräusche und Gedanken kommen und gehen zu lassen? Oder beginne ich Gedanken sofort zu bewerten in “gut” oder “schlecht”?

Wie nehme ich Stille in meinem Körper wahr? Was kann ich tun, um diesen Zustand zu erreichen, wann fällt es mir leicht, wann habe ich Schwierigkeiten damit?

Wann erlaube ich mir, einfach nur zu sein?

Habe ich das Gefühl, etwas leisten zu müssen, um geliebt zu werden? Wer oder was ist meiner Meinung nach schuld daran?

Empfinde ich Vertrauen in die Welt, Gott oder den Lauf meines Lebens?

Muss ich alles unter Kontrolle haben oder kann ich mich auf vom Leben überraschen lassen?

Wie fühlt es sich für mich an, loszulassen und mich dem Fluß des Lebens hinzugeben?

In der zweiten Rauhnacht beschäftigen wir uns also mit dem Thema Stille und innerer Einkehr. Dieses Thema hat auch viel mit Demut und Hingabe zu tun, damit wie gut wir uns auf etwas einlassen können und ins Vertrauen gehen. Demut ist In-der-Liebe-Sein. Im religiösen Sinne geht es um das Hinnehmen der Gegebenheit des Schöpfers, auf die Spiritualität übertragen verstehe ich Demut als Vertrauen in einen höheren Sinn. Wie oft erleben wir Dinge, die uns im ersten Moment negativ vorkommen und sich später als wertvolle Erfahrung herausstellen. Auch wenn wir nicht immer gleich alles Umfassen können, hilft es gleichzeitig überhaupt nicht, sich über Ereignisse aufzuregen oder mit dem Schicksal zu hadern. Demut hilft uns damit auch gelassener und zufriedener mit unserem Leben und unseren Erlebnissen zu sein. Die Zuversicht und das Vertrauen, das damit einhergeht, macht uns gelassener und glücklicher in unserem Leben.

Rückblick und Vorausschau

Die zweite Rauhnacht steht für den zweiten Monat. Heute blicken wir also zurück auf den Februar im vergangenen Jahr. Die Dinge, die wir heute wahrnehmen, stehen dann für den kommenden Februar, mit den Fragen die wir uns heute stellen, setzen wir Intentionen für das nächste Jahr. Wie bei allen Rauhnächten wird immer zunächst zurückgeblickt und dann voraus geschaut.

Hier ein paar Fragen, die Euch dabei unterstützen:

Rückblick

Wie habe ich im letzten Jahr die wieder heller werdende Zeit wahrgenommen?

Welche Vorhaben konnte ich in die Tat umsetzen?

Wo konnte ich demütig sein und das Beste aus dem machen, was mir wiederfahren ist?

Welche Menschen waren mir besonders wichtig?
Was war besönders schön?
Wem bin ich dankbar?

Was war nicht so schön?
Gab es Streit oder Enttäuschungen? Wem habe ich noch nicht verziehen?
Welche Sitaution aus dem letzten Februar möchte ich jetzt bereinigen?

Wo ist es mir schwer gefallen, demütig zu sein, wo habe ich mich mit dem Schicksal nicht angefreundet?

Vorausschau

Was habe ich heute geträumt?
Wie ist das Wetter, wie die heutige Stimmung?

Wer oder was ist mir heute begegnet, an wen oder was habe ich gedacht, wer oder was ist mir in der Meditation begegnet?

Wie fühlt sich heute an?
Was sind meine Visionen für den kommenden Janaur? Was wünsche ich mir in Bezug auf Stille, Innere Einkehr, und Demut im nächsten Jahr?

Welchen Menschen und welchen Lebensumständen möchte ich mich im nächsten Jahr hingeben?

 

Legt Euch heute Nacht einen Zettel und einen Stift neben das Bett. Viele Menschen träumen mehr während der Rauhnächte. Wenn Ihr aufwacht, schreibt gleich auf, was Euch im Traum beschäftigt und wer Euch begegnet ist. Selbst wenn Ihr noch einmal weiterschlafen wollt, schreibt erst alles auf, damit Ihr es morgen nachlesen könnt.

Habt eine wunderbare 2. Rauhnacht!

Love & Light
Eure Dannie

Quellen:

Das Wunder der Rauhnächte, Valentin Kirchgruber

Rauhnächte, Elfie Courtenay

Rauhnächte, Zeit für mich, Anne Stallkamp, Werner Hartung

Today is the second Rauhnacht. Who wants to read an introduction about the Rauhnächte, here is a brief introduction and description of the Northern European tradition from me.

Rauhnächte we always count from 0 clock midnight to 24 o’clock the next night. So today we start on December 25 until midnight on 26 December.

The Rauhnächte serve contemplation, reflection and observation. Observe exactly what happens that day. How are you doing, what’s bothering you, what is happening around you and how you react to your environment.

The second Rauhnacht serves to go quiet and contemplation. Basically we have the opportunity to go quiet during all twelve Rauhnächte again and again. Today we emphasize on the practice a bit more. Finding silence is not always easy – especially for people living in a city. Even in the park you can hear a distant car or the subway. More important than the exterior silence is directing your awareness to the inside, a willingness to listen into yourself and really feel into the silence.

If that is difficult for you, the following meditation might support you.

Meditation for Rauhnacht #2

Choose a quiet place in your home. If you have the opportunity go out into nature.

Close your eyes and follow your next breaths to rest fully. Feel into your body. Relax your forehead, your cheeks, your entire face, your shoulders and your neck. Let your breathing become deeper. Then turn your attention to the sounds around you. Do you recognize any sound? Cars that drive past, birds in the trees, other noises? Let the sounds come easily.

Regardless of whether they are pleasant or unpleasant, let the sounds blow through your consciousness like the wind is blowing through the leaves in a tree.
Turn to the internal “noise” now. Which sounds and noises do you perceive? Can you hear your heart beat, or hear the sound of your blood? Do you hear your breath through the nostrils and escape? Are there any thoughts wandering through your mind, worries, plans, fears or hopes that also can get loud now and then? Welcome those internal sounds as easy and calm as you welcomed you the outside sounds.

Listen again inside you. Can you observe the silence behind the thoughts and sounds in your body? Do you even feel the silence? How does it feel?
After a few breaths, come back with your awareness to your body, your posture and the contact with the ground, that is holding you. When you’re ready, slowly open your eyes.

Questions for Rauhnacht #2

Is it easy for me to let sounds and thoughts come and go? Or do I start value them in “good” or “bad”?
How do I observe silence in my body? What can I do to achieve this state, when is it easy for me and when am I having trouble with it?

When and how often do I allow myself to just be?

Do I have the feeling of having to do something to be loved? Who or what I think is to blame for that?
Do I feel confidence in the world, God or the path of my life?

Do I need to have everything under control, or can I let myself be surprised from life?

How does it feel to let go and just follow the flow of life?

In the second Rauhnacht we deal with the issue of silence and contemplation. This issue also has a lot to do with humility and devotion, meaning how easy we can let go and trust life. Humility is the state of being-in-the-love. Spiritually I understand humility as confidence in a higher meaning. How often do we experience things that seem to be negative at first sight and later turn out to be a very valuable experience. Although it is not always easy to embrace what happens, it helps even less get upset or to not accept one’s fate. Humility helps us to be more relaxed and thus more satisfied with our lives and our experiences. The confidence and the trust that goes with it, makes us more relaxed and happy in our lives.

Review and Perspective

The second Rauhnacht stands for the second month. So today we look back to February last year. The things that we perceive today will give a hint how next February will be like, with the questions we ask ourselves today, we set intentions for the next year. Here are a few questions that support you:

Retrospect

Have I been conscious about the days getting brighter again during that time last year?
Where could I be humble and made the best of what has happened to me?

Which people were particularly important to me?
What was extraordinary beautiful?
Who I am grateful for?

What wasn’t that nice?
Were there any quarrel or disappointment? Who have I not yet forgiven?
What situation from last February do I want to clean up now?
Where did I find it hard to be humble?

Foresight

What have I dreamt today?
What’s the weather like today?

Who or what is I encounter today, to whom or what I was thinking of, who or what has happened to me in meditation?

How does it feel now?
What are my visions for the coming February? What do I wish in terms of silence, contemplation, humility next year?
Which people and what life circumstances do I want to indulge in the next year?

Put some paper and a pen next to your bed tonight. Many people dream more during the Rauhnächte. When you wake up, write down what you experienced in your dream and who you met. Even if you want to go back to sleep again, quickly write everything down so you won’t forget and remember it the next day.

Have a wonderful 2nd Rauhnacht!

Love & Light
Yours Dannie

Sources:

Das Wunder der Rauhnächte, Valentin Kirchgruber

Rauhnächte, Elfie Courtenay

Rauhnächte, Zeit für mich, Anne Stallkamp, Werner Hartung