Heute ist die erste Rauhnacht. Es gibt verschiedene Überlieferungen, daher ist manchmal schon der 21. Dezember, also Wintersonnenwende, der Tag des Heiligen Tomas, die erste Rauhnacht. Wir halten uns an den Heiligen Abend, die Nacht vor der Geburt Christi. Wer sich noch einmal einlesen will, findet hier eine kurze Einführung zu den Rauhnächten.

Rauhnächte zählen wir immer von 0 Uhr Mitternacht bis 24 Uhr in der nächsten Nacht. Heute also von Mitternacht am 24. Dezember bis Mitternacht am 25. Dezember. In den Rauhnächten soll alles still stehen – die Arbeit liegen gelassen und alle Räder angehalten werden – sie sind somit eine gute Gelegenheit für Innere Einkehr, Besinnung und Achtsamkeit. Beobachte, wie es Dir an den einzelnen Tagen geht, was Dich beschäftigt, was um Dich herum geschieht und wie Du auf Dein Umfeld reagierst.

Die erste Rauhnacht wird dem Ausfegen und Putzen gewidmet, dem Reinigen und in früheren Zeiten vor Allem dem Räuchern. So wurden die Geister vertrieben, damit sie einen in den folgenden Rauhnächten in Frieden lassen. Wer mit dem Räuchern beginnen will, sollte dabei auf die Wahrnehmung innerer Bilder, Gedanken und Träume achten. Man sagt, diese sind in diesen Tagen aufgrund der höheren Energie stärker als sonst wahrnehmbar. Wer mit Räuchern nichts anfangen kann, kann auch einfach “Auskehren”. Jeder Winkel der Wohnung oder des Hauses wird ausgefegt, gesaugt oder noch einmal in Ordnung gebracht. Das Dunkle und damit auch die negativen Energien werden aus dem Haus gejagt. Wem es einfacher fällt, bei der Sache zu bleiben, kann wie in der alten Tradition bei jedem Kehren ein Mantra sprechen: “Pech zieht hinaus, Glück zieht hinein.” Wer schon alles aufgeräumt und geputzt hat, kann sich irgend etwas vornehmen, das “mal wieder dran ist” und symbolisch das Thema Ausputzen unterstützt. Für mich ist es fast schon Tradition geworden, an diesem Tag das Familiensilber zu putzen (siehe Foto aus dem letzten Jahr). Eine sehr meditative Angelegenheit kann ich Euch sagen, Silber putzen ist eine Aufgabe, die viel Geduld erfordert, bei der aber auch das Ergebnis sofort sichtbar ist: Geputztes Silber, das wieder glänzt, lädt das Licht ein – durch die Reflektion wird es verstärkt. Hinterher strahlt man fast so leuchtend wie das Silber selbst. Es hilft dabei zu bleiben, wenn man sich vorher ein paar Fragen überlegt oder zuhilfe nimmt, die einen bei der Arbeit unterstützen. Für mich ist die Zeit dadurch wie im Flug vergangen.

In der ersten Rauhnacht bzw am ersten Tag nach der ersten Nacht beschäftigen wir uns also mit dem Thema Reinigung und Klarheit. Von was in meinem Leben kann und will ich mich verabschieden? Was wünsche ich mir dafür Neues in meinem Leben?

Rückblick und Vorausschau

In der Überlieferung steht die erste Rauhnacht für den ersten Monat. Heute blicken wir also zurück auf den ersten Monat im vergangenen Jahr. Die Dinge, die wir heute wahrnehmen, stehen dann für den kommenden Januar. Wie bei allen Rauhnächten wird immer zunächst zurückgeblickt und dann voraus geschaut. Hier ein paar Fragen, die Euch dabei unterstützen:

Rückblick
Wie habe ich letztes Jahr das neue Jahr begonnen? Welche Vorsätze habe ich mir genommen? Welche Pläne hatte ich für das neue Jahr? Welche Menschen waren mir besonders wichtig? Was war besönders schön? Wem bin ich dankbar? Was war nicht so schön? Gab es Streit oder Enttäuschungen?Wem habe ich noch nicht verziehen? Welche Sitaution aus dem letzten Jahr möchte ich jetzt bereinigen?

Vorausschau
Was habe ich heute geträumt? Wie ist das Wetter, wie die heutige Stimmung? Wer oder was ist mir heute begegnet, an wen oder was habe ich gedacht, wer oder was ist mir in der Meditation begegnet? Wie fühlt sich heute an? Was sind meine Visionen für den kommenden Janaur? Welche Veränderungen will ich angehen? Welche Entscheidungen sind zu treffen? Hatte ich heute Zeit für mich?

Ritual zur ersten Rauhnacht
Das Thema des heutigen Tages ist Reinigung und Klärung. Bei diesem Ritual geht es darum, Altes abzuschließen. Nimm Dir drei kleine Zettel und einen Stift. Wenn Du so etwas hast, eine feuerfeste Schale oder einen Topf und ein paar Streichhölzer. Setz Dich bequem an einen ruhigen Ort. Schließe die Augen. Atme ein paar Mal bewusst ein und aus. Lasse den Atem zu Deinem Herzen fließen. Mit geschlossenen Augen überlege Dir, was Dich im letzten Jahr daran gehindert hat, glücklich zu sein. Was stand Dir im Weg, was willst Du loslassen, was endgültig verabschieden. Wenn Dir nicht sofort etwas einfällt, geh in Gedanken das letzte Jahr noch einmal durch. Mach es nicht zu kompliziert. Die alltäglichsten Dinge reichen schon aus. Öffne Deine Augen und schreibe die ersten drei Dinge auf, von denen Du Dich verabschieden willst. Versuche möglichst konkret zu sein. Es können Beziehungen sein, schlechte Angewohnheiten oder auch Ängste. Lege die drei Zettel in die feuerfeste Schale und zünde das Papier an. Schaue in die Flammen und dabei zu, wie die Zettel verbrennen. Sprich dabei innerlich den folgenden Satz, bis die Zettel verbrannt sind: Ich entlasse XXX  jetzt aus meinem Leben. Ich lasse das Alte los und öffne mich für das Neue. Sobald die Flammen erloschen sind, schließe noch einmal kurz die Augen und spüre nach.

Meditation zur ersten Rauhnacht
Wer möchte, kann den Tag mit einer Meditation starten. Oder die Meditation zur Vorbereitung nutzen, die Fragen zu beantworten.

Setz Dich an einen Platz in Deiner Wohnung oder dem Haus, in dem Du Dich gerade aufhälst, wo Du ein paar Minuten ungestört sein kannst.
Schließ die Augen und richte Deine Aufmerksamkeit auf Deinen Atem.
Beobachte wie Dein Atem in Deinen Körper einströmt, wie sich Deine Bauchdecke hebt und wie der Atem wieder aus Deinem Körper entweicht.
Bleibe ein paar Minuten bei Deinem Atem. Wenn Du bemerkst, dass Du zu denken beginnst, warte auf das nächste Ausatmen und lass den Gedanken ganz bewusst mit der Ausatmung gehen. Entspann beim Ausatmen Dein Gesicht. Wenn erneut Gedanken, Erinnerungen, Bilder auftauchen, nimm diese wahr und lass’ sie mit dem nächsten Atemzug wieder gehen. Um Neues in unser Leben einzuladen, müssen wir das Alte gehen lassen. Das Alte sind Gedanken – sogar Gedanken an oder Vorstellungen von der Zukunft entstehen aus Altem, aus unseren vergangenen Erfahrungen und Erlebnissen. Denken ist also niemals neu. Neues entsteht aus der Kraft der Stille. Komm’ noch ein paar Minuten zu Deinem Atem zurück.
Jeder Gedanke, der auftaucht, wird liebevoll wahrgenommen und ausgeatmet. Richte dann Deine Aufmerksamkeit noch ein paar Atemzüge auf Deinen Körper, die Körperhaltung, die Schwere, den Kontakt zum Boden. Atme noch einmal tief ein und aus und öffne dann langsam wieder die Augen.

Ich wünsche Euch, dass Ihr in den trubeligen Weihnachtstagen ein paar Minuten oder sogar ein Stündchen für Euch findet und Euch mit den heutigen Fragen beschäftigen könnt. Ansonsten wünsche ich Euch Allen ein wundervolles Weihnachtsfest mit Euren Lieben! Und vergesst nicht: so dunkel die Nächte erscheinen, so düster manches Mal die Gedanken oder Vorstellungen, in unserem Inneren leuchtet immer ein Licht. Wir müssen uns nur durch das Düstere und Dunkle hindurchkämpfen und das Licht frei schaufeln.

Love & Peace,

Eure Dannie

 

Quellen:
Das Wunder der Rauhnächte, Valentin Kirchgruber Rauhnächte,
Elfie Courtenay Rauhnächte, Zeit für mich,
Anne Stallkamp, Werner Hartung

Today is the first Rauhnacht. The Rauhnächte are a northern European tradition including the twelve nights after Christmas. Who wants to read a little introduction about the Rauhnächte you can check my article here.

Rauhnächte we always count from 0 o’ clock midnight to 24 o’clock the next night. For today that means midnight on December 24th until midnight on December 25th. The tradition of the Rauhnächte supports contemplation, reflection and observation. Every day be aware of what exactly happens that day. How are you doing, what’s bothering you, what is happening around you and how do you react to your environment?

The first Rauhnacht serves the sweeping out and cleaning. Cleaning and in former times above all burning incense. Thus the spirits were expelled, so they leave you the following nights in peace. Who wants to burn incense, should pay attention to the perception of the images, thoughts and dreams during doing it. These are stronger than usual noticeable in these days.

Who isn’t a fan of burning incense, may also simply “sweep”. Every corner of the house or apartment is swept. The dark and thus also the negative energies are being chased out of the house. To make it easier to focus on the cleaning, you can speak a mantra with each sweeping as in the old tradition: “bad luck goes out, luck comes in”.  Who has already cleaned up, may look for something that could need some refreshment and symbolically support the theme pruning.
I personally have made it to my traditional sweep out task to clean the family silver (see photo from last year). A very meditative matter I can tell you. Decked-silver that shines again, also invites the light by the reflection it is amplified. Your smile after work is done shines almost as bright as the silver itself, though you have to be patient to get there. It helps immensely if you look at a few questions before you start to work. For me, the time has flown by while thinking about my personal answers.

So on the first Rauhnacht we deal with the issue of cleaning and clarity. What in my life do I want to leave behind? What new do I want to invite in my life?


Review and Perspective

In the tradition the first Rauhnacht stands for the first month. Today we look back on the first month last year. The things that we perceive today presume what will happen in January. Same as in all Rauhnächte it is always the same – first we look back and reflect, then we look ahead to set intentions for the next year. Here are a few questions that you support this:

Retrospect

How did I start the last year?
Which resolutions have I taken?
What plans did I have for the New Year?
Which people were particularly important to me?
What was extraordinary beautiful?
Who I am grateful for?
What was not so nice?
Were there any quarrel or disappointment?
Whom have I not yet forgiven?
What situation from last year would I like to clean up now?

Foresight

What did I dream today?
What’s the weather like today?
How is the atmosphere?
How is my mood?
Who or what is I encounter today, to whom or what I was thinking of who or what has happened to me in meditation?
How does it feel now?
What are my intentions for the coming January?
What changes I want to tackle? What decisions do I have to take? Did I have time for myself?

Ritual for the first Rauhnacht
The theme of this day is clearing and cleaning up. This ritual will help you to let go of old things that you don’t need anymore.

Take  three small pieces of paper and a pen. If you have something like a fireproof dish or a pot and a few matches.

Sit comfortably in a quiet place. Close your eyes. Breathe a few times in and out consciously. Let the breath flow to your heart.

With eyes closed, think about what last year prevented you to be happy. What did get  in the way, what do  you want to let go of what final goodbye. Do not make it too complicated. Small things are good to go with.

Open your eyes and write down the first three things that you want to let go. Try to be as specific as possible. There may be relationships, bad habits or fears. Put the three papers in the fireproof tray and light the paper. Look into the flames and watch the paper burn. Say the following sentence to yourself until the papers are burned: I dismiss XXX now out of my life. I let go of the old and open myself to the new.

Once the flames have gone out, close your eyes briefly again and feel.

Meditation for the first Rauhnacht
Whoever wants to can start the day with a meditation. Or use meditation in preparation to answer the questions.
Sit in a place in your appartment or the house where you are right now and where you can be undisturbed for a few minutes. Close your eyes and focus your attention on your breath.
Observe how your breath flowing into your body, like your abdomen rises and as the breath escapes back out of your body. Stay a few minutes at your breath. If you notice that you start to think, wait for the next exhale and let the thought go deliberately with exhalation. Relax your face on the exhale. If thoughts, memories, pictures come up again,  let them go with the  next breath again.
To invite new in our lives, we have to let the old go. The old are thoughts – even thoughts or ideas about the future arising from the old, from our past experiences and adventures. Thinking is therefore never new. New results from the power of silence. Come a few minutes back to your breath. Every thought that arises, watch with love and then let go with your breath.
Then place your attention for a few breaths on your body, the posture, the severity, the contact with the ground. Inhale again deeply in and out and then slowly open your eyes again.I wish you that you will find a few minutes or even an hour for you to go through the questions.
Above all, I wish you all a wonderful Christmas with your loved ones! And do not forget: so dark the nights seem so bleak sometimes the thoughts or ideas, in ourselves there is always a light. We only have to fight through the dark and shovel the light free.


Love & Peace

 

Yours Dannie

 

Source:
Das Wunder der Rauhnächte, Valentin Kirchgruber
Rauhnächte, Elfie Courtenay
Rauhnächte, Zeit für mich, Anne Stallkamp, Werner Hartung